The Shoe Must Go On

 

 
Ludwig Reiter I.

1885 eröffnet der aus dem böhmischen Karlsbad zugewanderte Ludwig Reiter I. gemeinsam mit seiner Frau Anna in Wien „auf der Wieden“ eine Schuhmacherwerkstatt. Bereits 1887 beliefert er die k.u.k. Sicherheitswache mit Maßstiefeln und rahmengenähten Offiziersschuhen, die aufgrund ihrer außergewöhnlichen Qualität große Anerkennung finden. Für die k.u.k. Armee werden Stiefeletten zur Ausgeh-Uniform und Reitstiefel gefertigt.

 
Der Firmengründer Ludwig Reiter (links) mit seinem Sohn Ludwig Reiter II. (rechts) und seinem Vater.

Ludwig Reiter II., der Sohn des Firmengründers, lernt zunächst bei seinem Vater das Schuhmacherhandwerk, geht aber schon in jungen Jahren auf Wanderschaft und arbeitet in Deutschland, England und Amerika. In den USA ist er von 1902 bis 1908 in verschiedenen Schuhfabriken, u. a. in Boston tätig. Dort lernt er das damals neue Goodyear-Verfahren kennen – die Technik, rahmengenähte Schuhe mit Hilfe ausgetüftelter Nähmaschinen herzustellen – und ist spontan davon begeistert.

 
Ludwig Reiter II. (unten links) auf der Reise nach Amerika.

Aufbauend auf die während seiner Wander- und Lehrjahre gemachten Erfahrungen in der industriellen Schuhproduktion wandelt Ludwig Reiter II. nach seiner Rückkehr nach Wien ab 1909 den Handwerksbetrieb seines Vaters schrittweise in eine kleine Schuhfabrik um und führt das mechanisierte Goodyear-Verfahren ein. Im gleichen Jahr übersiedelt das Unternehmen in die Kolschitzkygasse.

1919 wird das noch heute bestehende Geschäftslokal in der Wiedner Hauptstraße in Wien eröffnet – unter dem Namen „Piccadilly“. Eine von Ludwig Reiter etablierte Schuhmarke trägt denselben Namen. Man beschäftigt etwa 70 Mitarbeiter.

 
Schild des Geschäftslokals „Piccadilly“, in der Wiedner Hauptstraße.

In den 1920er- und 1930er-Jahren entwickelt sich Ludwig Reiter zu einem der führenden Schuhproduzenten in Wien und trägt wesentlich zum internationalen Ruf der Wiener Schuhmacherkunst bei. Viele der damals entstandenen Schuhmodelle werden in adaptierten Formen noch heute im Unternehmen produziert.

 
Ludwig Reiter II., seine Frau Stefanie, die Kinder Edith und Ludwig III., seine Mutter Anna; mit Automobil Steyr XVI Pullman, ca. 1932.

1934 beginnt das Unternehmen – mittlerweile zur „Schuhfabrik“ gewachsen – mit der Produktion von rahmengenähten Herren- und Damenschuhen der Marke „Fox“.

In einer 1937 in Wiener Neustadt eingerichteten und modern ausgestatteten Betriebsstätte werden vorwiegend Stiefel für das österreichische Militär hergestellt. Ludwig Reiter ist einer der größten Schuhproduzenten des Landes. Zwei Jahre später wird die Produktion eingestellt, da die Nationalsozialisten die Produktionsstätte kriegswirtschaftlich nützen wollen.

1940 verlegt man den Betriebsstandort in die Schumanngasse, 17. Wiener Bezirk.

Während des Zweiten Weltkrieges werden neben rahmengenähten „Zivilschuhen“ auch Schuhe und Stiefel für Polizei und Armee produziert.

Am Ende des Krieges werden zwar Rohstoff- und Schuhlager geplündert, die Maschinen bleiben jedoch unversehrt: Die Produktion kann wieder aufgenommen werden.
Ludwig Reiter II. beschließt, sich noch stärker auf hochqualitative, rahmengenähte Schuhe zu spezialisieren und etabliert die Marke „Fox Medana“: elegant, atmungsaktiv, aus bestem Leder, medizinisch und anatomisch richtig.

1960 übernimmt Ludwig Reiter III., ausgebildeter Ledertechniker, den Betrieb und baut ihn aus. Das Unternehmen entwickelt sich unter seiner Leitung zu einem der renommiertesten Schuhproduzenten Österreichs.

 
Ludwig Reiter III. bei der Entwicklung von Leisten.

In den 1960er-Jahren werden nach und nach mehrere Geschäftsstellen in Wien eingerichtet, der „Fox Medana“ ist ein Verkaufserfolg, 1966 beschäftigt der Betrieb rund 130 Mitarbeiter. Ludwig Reiter III. macht sich auch um die Entwicklung von Leisten verdient.

Die Technik des arbeitsaufwändigen Rahmennähens wird auch während der stürmischen Umbrüche der europäischen Schuhbranche in den späten 1960er- und 1970er-Jahren nicht aufgegeben, was sich später als unschätzbarer Vorteil erweisen wird.

1985: Hundert Jahre nach der Firmengründung hat Ludwig Reiter als einzige Wiener Schuhfabrik die Krise der europäischen Schuhindustrie überlebt. Im selben Jahr übernimmt Till Reiter, Sohn von Ludwig Reiter III. und Ur-Enkel des Firmengründers, die Leitung des Unternehmens – nunmehr in der 4. Familiengeneration. Später stoßen seine Brüder Uz (als Prokurist) und Lukas (als Gestalter der Ludwig Reiter-Geschäftslokale) hinzu.

 
Die vierte Generation: Lukas, Till und Uz Reiter (von links nach rechts).

Mitte der 1980er-Jahre ist der, ein eher konservatives Publikum ansprechendes und zunehmend mit dem Image eines Gesundheitsschuhes behaftete „Fox Medana“ nicht mehr zeitgemäß, die Nachfrage geht stark zurück. Das Sortiment muss geändert, doch das in Österreich beinahe „ausgestorbene“ Rahmennähen soll beibehalten werden.
Ausgehend von klassischen Wiener Schuhmodellen wie Budapester, Derby oder Norweger entwickelt die junge Geschäftsführung neue, zeitgemäße Modelle für eine jüngere, dennoch sehr qualitätsbewusste Kundenschicht.

Ludwig Reiter erkennt die Notwendigkeit, zu diversifizieren: Das „Ein-Produkt-Unternehmen“, das sich bisher ausschließlich auf rahmengenähte Schuhe konzentriert hatte, beginnt, das Sortiment zu erweitern, um damit seine Marktposition zu verbessern.

 
C. Kitzmantel Schuhfabrik, Vorchdorf (OÖ).

1992 erwirbt Ludwig Reiter die Arbeitsschuhfabrik C. Kitzmantel in Vorchdorf (OÖ), übernimmt von dort neue handwerkliche Fertigungstechniken und Know-how sowie neue Schuhtypen. Aus diesen Arbeits- und Winterstiefeln sowie Sportschuhen werden etwa die heute sehr erfolgreichen Modelle Maronibrater und Trainer entwickelt.

1995 leitet der vor allem auch in Italien, England und Asien sehr beliebte Trainer als modische Innovation eine neue Retro-Sportschuhwelle ein. Die Modelle Bowling und Rugby verbinden als erste rahmengenähte, informelle Sportschuhe alte handwerkliche Tradition und modernen Stil.

 
Drei Mäderl Haus im 1. Wiener Bezirk.

Im selben Jahr wird das historische Drei Mäderl Haus in Wiens Innenstadt zum Flagship Store des Unternehmens. Nach und nach eröffnet Ludwig Reiter mehrere Geschäftslokale in Österreich und Deutschland sowie seit 2006 in der Schweiz (Zürich).

1998 übersiedelt der Betrieb aufgrund der beengten räumlichen Verhältnisse aus dem 17. Wiener Bezirk an die südliche Stadtgrenze von Wien, nach Wiener Neudorf.

2000 übernimmt Ludwig Reiter das weltberühmte Koffer- und Taschengeschäft von Franz Schulz in Wien und erweitert damit sein Sortiment mit hochwertigen, handgefertigten Akten- und Reisekoffern, Damenhandtaschen, Reisetaschen und Kleinlederwaren.

2008 erwirbt Ludwig Reiter den Gutshof Schloss Süßenbrunn im Nordosten des Wiener Stadtgebietes. 2010 zieht das gesamte Unternehmen nach Süßenbrunn um. Die Manufaktur ist nunmehr der einzige Betrieb in Österreich, der klassische, rahmengenähte Schuhe in gewerblichem Umfang produziert.

 
Schuhproduktion im historischen Gewölbe, Schloss Süßenbrunn.

Das Unternehmen betreibt rund 20 eigene Geschäftslokale in Österreich, Deutschland, der Schweiz und Großbritanien. Darüber hinaus führen etwa 200 erstklassige Fachgeschäfte und Boutiquen in Österreich, Deutschland, der Schweiz, Italien, Niederlande, Spanien, Großbritannien, Japan und den USA die Produkte der Manufaktur.

Ludwig Reiter ist inzwischen im In- und Ausland nicht nur für seine rahmengenähten Schuhe, sondern auch für hochwertige Sportschuhe, Damenschuhe und Leder-Accessoires bekannt. Rund 60 Mitarbeiter erzeugen jährlich insgesamt etwa 30.000 Paar Schuhe.

Mit Modellen wie dem Trainer, dem Bowling oder dem Maronibrater wurde das Unternehmen in den letzten Jahren auch zu einem international anerkannten Mode-Pionier, woraus sich Kooperationen mit Designern wie Helmut Lang und Werner Baldessarini, sowie mit dem Wiener Burgtheater, dem Theater an der Wien und anderen namhaften Bühnen entwickelt haben, deren Theater- und Opernproduktionen regelmäßig mit Schuhen von Ludwig Reiter ausgestattet werden.



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