Vom Rittergut zur Schuhmanufaktur

 
Schlossgebäude mit Park und ehemaligem Brunnen.

Die Nähe zum Kunden: Wien als Produktionsstandort

Der Produktionsstandort Süßenbrunn in Wien ist für Ludwig Reiter aus mehreren Gründen von entscheidender Bedeutung.

Im Sinne einer hohen Produkt- und Servicequalität möchten wir an unseren Kunden möglichst "nahe dran" sein. Die Fertigung von Ludwig Reiter Schuhen soll authentisch und glaubhaft nachvollziehbar und unmittelbar erlebbar sein.

Auch unsere in hohem Maße kundenorientierte und ausdifferenzierte Produktentwicklung ist stark vom möglichst engen Kontakt mit den Käufern unserer Schuhe abhängig und wäre mit weit entfernten Produktionsstätten nicht realisierbar.

Die räumliche Nähe zu den Kunden ermöglicht uns größere Flexibilität und schnelles Reagieren: Die Anpassung eines Serienprodukts an Kundenbedürfnisse, Privatanfertigungen nach individuellen Wünschen, Kleinserien, kurzfristige Neuentwicklungen und Änderungen sind von Wien aus „ auf kurze Distanz“ viel besser zu bewältigen.

Der menschliche Faktor

Während nahezu alle Schuhhersteller längst in außereuropäischen Billiglohnländern produzieren, bietet unser Standort in Österreich den Mitarbeitern von Ludwig Reiter hohe soziale, arbeitsrechtliche und technische Standards.

Die Arbeitszufriedenheit ist hoch, es gibt keine Fließband- oder Akkordarbeit, die Mitarbeiter bringen sich in den Fertigungsprozeß ein. Die meisten von ihnen sind schon viele Jahre im Betrieb, es gibt kaum Fluktuationen. Das in der menschlichen Arbeitskraft gebündelte Know-how ist daher entsprechend groß und bleibt am Standort in Wien erhalten.

Neuer Geist in alten Mauern

Der Ort Süßenbrunn liegt im äußersten Nordosten des Wiener Stadtgebietes, hat seinen dorfähnlichen Charakter bewahrt und ist hauptsächlich vom Ackerland des Marchfeldes umgeben.

Mit Süßenbrunn kann Ludwig Reiter seine an den Standort geknüpften Vorstellungen in idealer Weise verwirklichen: ein historisches Bauensemble zu erhalten und ihm gleichzeitig eine zeitgemäße Funktion zu geben ist die Umsetzung des Leitmotivs „ Die Zukunft der Tradition“ mit den Mitteln der Architektur.

Das Gut Süßenbrunn ist eine denkmalgeschützte Anlage – bestehend aus dem historischen, bereits auf einem Kupferstich von 1672 abgebildeten Renaissanceschloß und mehreren Wirtschaftsgebäuden die über eine, hauptsächlich aus Parklandschaft bestehende Fläche von 30.000 m² verteilt sind.

 
Das ehemalige Verwalterhaus mit neuen Zubauten aus Holz.

Der besondere Charme Süßenbrunns liegt in der noch vollständig erhaltenen Gutshof-Struktur, die ihr Gepräge zwischen 1575 und dem Anfang des 20. Jahrhunderts erhielt und die innerhalb der Wiener Stadtgrenzen heute wohl einmalig ist.

Diese Atmosphäre zu bewahren und dabei den Gebäudekomplex für die Schuhproduktion nutzbar zu machen ist eine anspruchsvolle aber auch spannende Herausforderung: Das Alte sollte möglichst erhalten bleiben und mit dem klar erkennbar Neuen harmonisch verbunden werden. So wurden die Wirtschaftsgebäude von Grund auf behutsam restauriert bzw. renoviert und um einige technische Verbindungsbauten ergänzt.

 
Erweiterungen im zeitgemäßen Stil: Verbindung zwischen Alt und Neu.

In den ehemaligen Stallungen des Gutshofes sind nun die Werkstätten der Manufaktur untergebracht. Die Hallen mit den historischen Gewölben und gusseisernen Säulen wurden den modernen Arbeitsanforderungen angepasst und in Absprache mit dem Denkmalamt dezent funktional erweitert.

 
Schuhproduktion in den ehemaligen Stallungen des Gutshofes.

Im Verwalterhaus werden Büro- und Sozialräume eingerichtet. Die alten Getreidespeicher („Schüttkasten“) wurden bei vollständiger Erhaltung der Baulichkeiten zu Material- und Fertigwarenlager umfunktioniert.
In der Wagenremise, wo einstmals Fuhrwerke und landwirtschaftliche Geräte untergebracht waren, wird das Auslieferungslager eingerichtet.

 
Das Dach des Schlosses wird saniert.

Beim Schlossgebäude selbst sind wegen des besonders schlechten Bauzustandes und des kulturgeschichtlichen Wertes sehr aufwändige Sanierungsarbeiten erforderlich, die mehrere Jahre in Anspruch nehmen werden.

Die Grünflächen der Anlage sind weitestgehend erhalten und in die Infrastruktur des Betriebes einbezogen, sodass sich dieser nahezu übergangslos in die ländlich-dörfliche Umgebung Süßenbrunns und des Marchfeldes einfügt.

Durch die Wogen der Jahrhunderte – die Geschichte Süssenbrunns

Im 12. Jahrhundert errichtet ein gewisser Graf Sicco (bzw. Sizzo) an diesem als „Prunne“ bekannten Ort im Nordosten Wiens ein mittelalterliches Rittergut. Der heutige Name Süßenbrunn könnte sowohl auf die Qualität des (Süß)Wassers des Brunnens als auch auf den Gründer - Sizzobrunn -  zurückgehen.

Nach wechselnden Besitzern u. a. seit 1320 die Herren von Pillichsdorf und jene von Ebersdorf übernehmen 1574 die protestantischen Freiherrn von Landau das Landgut und bauen es großzügig zu einem repräsentativen Renaissance-Schloss um.

Die im Zuge der Gegenreformation 1620 von den katholischen Machthabern konfiszierte Herrschaft Süßenbrunn gelangt im Lauf der Zeit in die Hände verschiedener adeliger Eigentümer darunter die Grafen von Losenstein, die Fürsten von Auersperg und die Grafen von Falkenberg.

In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts hat der Ort unter Raubzügen der gelegentlich in Ostösterreich einfallenden Türken zu leiden.

1647 kurz vor Ende des Dreißigjährigen Krieges wird Süßenbrunn von schwedischen Soldaten der Garnison Olmütz geplündert.

Ein Kupferstich von Georg Mathias Vischer aus dem Jahr 1672 zeigt das Renaissance-Schloß „Siessenbrunn“ mit Nebengebäuden, Gärten und Park.

 
„ Siessenbrunn“ auf einem Kupferstich von Georg Mathias Vischer aus dem Jahr 1672.

In der Josephinischen Landesaufnahme von 1781 ist „ Süßsenbrun“ als Gut mit Schloss dargestellt.

1802 geht das Schloss von den langjährigen Besitzern, den Grafen von Grundemann, auf die Freiherren von Walterskirchen über.

Während der napoleonischen Kriege werden Ort und Schloss Süßenbrunn 1805 von den Franzosen besetzt.

1816 kaufen die Freiherrn von Bartenstein das Schloss und gestalten es später im Stil der Frühromantik um. Um 1830 werden im Gutshof „14 Stück Pferde 36 Stück Rindvieh und 1500 Stück Schafe letztere von vorzüglicher Abstammung und hoch veredelt ...“
gehalten „... das Wasser ist von vorzüglicher Güte besonders in dem Herrschaftlichen Garten“ wie es in einer Chronik des damals „ 2 ½ Stunden von Wien“ entfernt liegenden Ortes heißt.

Im weiteren Verlauf des 19. Jahrhunderts scheinen die Grafen Dubsky von Trebomyslice als Besitzer auf. Sie errichten in den Jahren vor 1870 ein Verwalterhaus im neoklassizistischen Stil.

In den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts erweitert die Familie Bösch als neue Gutsherren die Anlage um mehrere Wirtschaftsgebäude, darunter ein Stall für 100 Kühe.

 
Das Schloss in den 1960-er Jahren.

1926 gelangt Süßenbrunn mitsamt seinen ausgedehnten Ländereien in den Besitz der Stiftung Theresianische Akademie, die den Gutshofbetrieb noch bis in die 1970er-Jahre weiterführt. Danach verpachtet man die landwirtschaftlichen Flächen bzw. vermietet Teile des Gutshofes für verschiedene Zwecke, worunter der bauliche Zustand der Anlage zunehmend zu leiden hat.

2008 erwirbt Ludwig Reiter die Gutshofanlage und macht Süßenbrunn 2011 zum neuen Betriebsstandort der Schuhmanufaktur.

 
Süßenbrunn im Winter 2010.

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